Durst wird durch Bier erst schön

FÖRDERLICH FÜR HERZ UND NIEREN

Daß Bier gesund ist, haben Sie schon gelesen. Wie gesund es ist, erzählen Ihnen hier einige Spezialisten. BIER - FÖRDERLICH FÜR HERZ UND NIEREN

»Über den Gesundheitswert des Biers« hieß eine Vortragsreihe von Prof. Dr. Felix Just. Professor Just ist Mitglied des Instituts für Gärungsgewerbe und der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin. Eine Zusammenfassung seiner Vorträge erschien in »Die Innere Medizin und das Bier« (Verlag Jehle & Co, München). Wir zitieren daraus:

Das Bier ist frei von pathogenen Keimen.

Daß sich krankheitserregende Keime in Vollbieren nicht vermehren können, ist seit langem bekannt. Neuere umfassende Untersuchungen bestätigten dies und zeigten außerdem, daß willkürlich vorgenommene Testinfektionen nur kurze Zeit im Bier zu überleben vermögen; sie werden abgetötet. Das Bier ist also hygienisch einwandfrei.

Das Bier enthält alle Nährstoff-Komponenten in gelöster Form.

Bekanntlich kommt es nicht bloß darauf an, daß in der täglichen Kost die ernährungsnotwendigen Bestandteile enthalten sind, sondern wesentlich darauf, daß sie auch vom Organismus resorbiert werden. Voraussetzung ist ihre Überführung in echte (oder kolloidale) Lösung, so daß sie durch die Darmwand im eigentlichen Sinne des Wortes »einverleibt« werden können. Demzufolge leistet die reguläre Verdauung im ersten Schritt die Verflüssigung der Nahrung: die unlösliche Stärke wird verzuckert, das hochmolekulare Eiweiß wird zu löslichen Aminosäuren und Peptiden abgebaut, das Fett wird emulgiert und gespalten, die Salze und Vitamine werden freigesetzt und gelöst. Die Tatsache, daß nun im Bier alle darin enthaltenen Nährstoffe schon gelöst sind, macht diesen Schritt im menschlichen Organismus unnötig. Durch das Mälzen und Maischen hat gewissermaßen schon eine Vorverdauung stattgefunden: die Resorbierbarkeit ist gewährleistet.

Die Bedeutung dieses Umstandes in diätetischer Hinsicht sei an folgendem wichtigem Beispiel demonstriert: Auf den ersten Blick erscheint es vernünftig und wünschenswert, das Brotgetreide nach dem Vermahlen nicht zu sieben, sondern unsortiert, einschließlich Kleie, zu verbacken. Man hat dann offenbar alle Bestandteile des Kornes im Brot. Das bloße Angebot an Nährstoffen wäre, weil verlustfrei, optimal. Aber das kleiehaltige Brot ist schlechter verdaulich. Etwa die Hälfte des Stickstoffs (Eiweiß) und rund ein Fünftel der Kalorien werden unverdaut wieder ausgeschieden.

Ähnlich verhält es sich mit den Vitaminen. Obzwar das Vitaminangebot im Vollkornbrot wesentlich höher ist als bei Verwendung hoch ausgemahlener heller Mehle, ist der Nutzeffekt praktisch aufgehoben. Der menschliche Organismus ist selbst bei sorgfältigem Kauen und Einspeicheln nicht in der Lage, die im Vollkornbrot befindlichen Vitamine B1, B2 und Nikotinsäure vollständig zu resorbieren. Die günstigste Resorptionsquote beim Vitamin B1 wurde bei Brot aus 75prozentig ausgemahlenem Mehl mit 75 Prozent, die ungünstigste bei Vollkornbrot mit 45 Prozent des Angebots gefunden. Der menschliche Darm kann eben die in den Zellulosenanteilen und Silikatschichten eingeschlossenen Vitaminmengen des Vollkornbrotes nicht herauslösen.

Der diätetische Vorteil des Bieres liegt offenbar ganz generell darin, daß alle darin vorhandenen Nährstoffe in schon gelöster, resorbierbarer Form vorhanden sind, also nicht erst aufgeschlossen zu werden brauchen, was in allen den Fällen von besonderem Wert sein kann, bei denen die Verdauungstätigkeit (Magen- und Darmkranke usw.) geschwächt ist.

Das Bier ist hinsichtlich des Gehaltes an wichtigen Vitaminen der B-Gruppe und an Phosphat voll-, zum Teil sogar überwertig.

Mit Ausnahme von Vitamin B1, das im Brauprozeß zwar nicht echt zu Verlust geht, aber dem Bier durch seine Aufspeicherung in der Bierhefe entzogen wird, sind die Gehalte an anderen wichtigen Vitaminen der B-Gruppe im Bier beachtlich. So enthält ein Liter untergäriges Vollbier 0,3 bis 0,4 mg Vitamin B2. Als eine der möglichen Kostkomponenten trägt das Bier so viel zur B2-Versorgung bei, wie seinem kalorischen Nährwert entspricht.

Wichtig ist noch der Hinweis. daß im Bier in gelöster, resorbierbarer Form gerade so viel Vitamin B2 enthalten ist, wie sich in der dafür verbrauten Gerste befunden hat.

Da der Vitamin-B6-Bedarf unter normalen Umständen durch enterale Synthese (Darmbakterien) gedeckt wird, läßt sich die von außen zuzuführende Tagesdosis nicht exakt angeben. Der tägliche Bedarf des Menschen wird auf 3 bis 5 mg geschätzt. Die in einem Liter Bier enthaltene B6-Menge von rund 0,5 mg ist keineswegs unerheblich. Die B6-Zufuhr von außen gewinnt erhöhte diätetische Bedeutung, wenn die Darmflora durch darmsterilisierende Medikamente (Antibiotika und Sulfonamide) geschädigt ist .

Die mittlere, von außen zuzuführende Niacin-Tagesdosis wird meist mit 15 mg angegeben. An der Deckung des Tagesbedarfs, der beträchtlich höher liegt, sind die Darmflora und die Eigensynthese aus dem Tryptophanstoffwechsel wesentlich beteiligt.

Die Niacinmenge in einem Liter Bier deckt durchschnittlich zwei Drittel der exogenen Tagesdosis, fällt also für die Versorgung mit diesem sehr wichtigen Wirkstoff ganz erheblich ins Gewicht.

Der tägliche menschliche Bedarf an Pantothensäure, der eine ähnlich vielseitige Bedeutung wie dem Vitamin B2 und der Nikotinsäure zukommt, wird auf 7 bis 10 mg geschätzt.

Der größere Teil wird durch die Synthese der Darmflora, vorausgesetzt, daß sie ungeschädigt ist, gedeckt. Die exogene Tagesdosis liegt in der Größenordnung von 2 bis 4 mg. Die Biere mit einem Gehalt von 0,9 bis 1,1 mg/Liter decken also pro Liter Bier die Hälfte bis ein Viertel dieses täglichen Solls.

Biotin gehört zu den höchstaktiven Wirkstoffen, die wir kennen: es entfaltet seine vielseitigen Funktionen schon bei überaus niedrigen Konzentrationen. Die menschliche Versorgung ist sofern die Darmflora intakt ist - auf die Zufuhr von außen nicht angewiesen. Eine zahlenmäßige Bewertung des positiven Biotingehaltes im Bier ist demgemäß nicht durchführbar. Für Kranke und Rekonvaleszenten, bei denen die Darmflora geschädigt und dadurch die enterale Synthese von Biotin mangelhaft ist, sind exogene Biotinquellen, somit auch das Bier, von erhöhter Bedeutung. Das gilt natürlich auch für die anderen Vitamine der B-Gruppe.

Abschließend läßt sich feststellen, daß dem Bier die Vitamine des ganzen Gerstenkornes nicht nur nicht verlorengegangen, sondern in nahezu voller Menge ausgenommen B1) und in vollständig aufgesehlossener, resorbierbarer Form erhalten geblieben sind.

Im Bier wird der Alkohol bezüglich Menge, Konzentration, Trinktempo sowie gleichzeitig aufgenommener Bierinhaltsstoffe in bemerkenwert glücklicher Dosierung angeboten. Bier ist fettfrei. Es ist auch nahezu kochsalzfrei. wirkt harntreibend und gewebeentwässernd sowie - paradoxerweise - schlankmachend.

Es ist erwiesen, daß Bier diuretisch (harntreibend) wirkt. An dem Effekt sind eine Vielzahl bekannter und vielleicht noch unbekannter Faktoren beteiligt. Wegen seines Alkohol-, Kohlensäure- und Salzgehaltes wird die Bierflüssigkeit schneller resorbiert als klares, kaltes Wasser. Bier löscht schneller den Durst als jenes. Die Ausscheidung der schnell resorbierten Flüssigkeit ist in erster Linie begünstigt durch den Bieralkohol. Er spielt insofern eine positive Rolle, als er die Herztätigkeit und damit auch die Nierenfunktion anregt. Alkohol ist ein für den Herzmuskel direkt verwertbarer Betriebsstoff; bei seinem Abbau im Körper entstehen Brenztraubensäure und Milchsäure, die ebenfalls vom Herzen vorzugsweise verwertet werden. Schließlich wirkt der Alkohol gefäßerweiternd - möglicherweise sind zusätzlich die Gärungsamylalkohole des Bieres wirksam -, erleichtert also durch Verminderung des Widerstandes im Kreislaufsystem die Herzarbeit. Unterstützt wird die diuretische Wirkung des Bieres sicher auch dadurch, daß es praktisch kochsalzfrei ist. Es kommt im Verlaufe des Biertrinkens bzw. dessen Folgen zu einer Ausschwemmung von Natrium-Ionen. Anteilsmäßig geht damit eine Gewebeentwässerung einher. So paradox es klingt: das Biertrinken führt primär zur Gewichtsabnahme.

Der Entzug von Kochsalz bzw. seine möglichst sparsame Verwendung in der täglichen Kost hat sich seit langem bei Nierenschäden bewährt. Zunehmend angewandt wird die kochsalzarme Diät bei Kreislaufstörungen, hohem Blutdruck und Übergewicht. Ein wesentliches Ziel dieser Kost liegt in der Entwässerung des Gewebes, die, wie oben schon erwähnt, durch das Bier bewirkt wird. Amerikanische Ärzte erstrebten mit Erfolg einen doppelten Effekt, indem sie ein Drittel bis ein Viertel der täglich benötigten Kalorien in Form von Bier zuführten. Die mit den »Bierkalorien« eingesparten Kochsalzmengen konnten zum Würzen (Salzen) der übrigen Kost verwandt werden, ohne daß der erlaubte Kochsalzspiegel überschritten wurde. Für die Patienten bedeutet dies eine wesentliche Erleichterung.

Lob des Bieres - Kupferstich von Martin Engelbrecht (1750)

>> Die Legende vom flüssigen Brot



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