Durst wird durch Bier erst schön

SKLAVEN BEKAMEN ZWEI KRÜGE

Die alten Ägypter haben es uns leicht gemacht, ihr Leben zu verfolgen - auf dem Weg über den Tod. Ihre Gräber sind voller Darstellungen. Auch zum Thema Bier.Bierbrauerei

Ägytisches Flachrelief - Königen schenkt König Bier ein

Wandmalereien und Schriftzeichen geben Aufschluß über den ägyptischen Alltag, wie er sich vor 3000 Jahren abspielte. Auch zum Thema »Bierbrauerei« wurde viel Nützliches hinterlassen. Zum Beispiel eine Hieroglyphenschrift, die in einer Grabkammer angebracht wurde:

»Um Bier zu brauen, nimmt man Gerste oder eine andere Getreideart, feuchtet sie an oder gräbt sie auch ein, damit sie zu keimen beginnt.

Dann wird das Getreide gemahlen und unter Zusatz von Sauerteig zu Brot geformt. Die Brote bäckt man ein wenig - so, daß nur die äußerste Kruste brotartig wird. Das Innere muß roh bleiben.

Dann werden die Brote in Stücke geschnitten, in einen großen Topf getan und mit Wasser begossen. So läßt man sie einen Tag stehen.

Am nächsten Tag wird die Flüssigkeit durch ein Sieb in einen anderen Topf gegeben, wobei die aufgeweichten Brotstücke auf dem Sieb mit den Händen geknetet werden. Das weißlich schäumende Getränk, das so entsteht, hat einen bitteren Geschmack. Es muß gleich nach der Bereitung getrunken werden, weil es sich nicht aufbewahren läßt und, wenn man es in verschlossene Gefäße füllt, diese zersprengt. Um es noch bitterer zu machen, gibt man Rettich oder Wolfsbohne hinzu«.

Das Rezept hatten die Ägypter wohl von den Babyloniern, denen sie lange Zeit Bier abkauften. Dieses Export-Bier kam in verschlossenen Krügen ins Land. Später stellten die Ägypter selbst transportfähiges Bier her, das sie in Krügen aus rotem Ton verschickten. Die wurden mit Tonstöpseln verschlossen, verschnürt und versiegelt. Es gab acht verschiedene Biersorten, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. »Zythos« war das Normalbier, »Dizythos« das Starkbier. Von dem behauptete der griechische Historiker Plutarch bewundernd (wenn auch naturwissenschaftlich etwas fragwürdig), es sei so stark gewesen, daß es Elfenbein aufgeweicht habe.

Die meisten Biere schmeckten süß; einige wurden mit Alraun, andere mit Safran oder Anis gewürzt. Manche schmeckten so bitter, daß der Grieche Plinius sie »einen abscheulichen Trank« nannte. Er hatte ein Bier erwischt, das mit einem Absud aus Eichenrinde gewürzt war.

Bier - es hieß bei ihnen »Hek« - war für die Ägypter sehr wichtig. »Brot und Bier« galt ihnen sprachlich gleichviel wie »Nahrung«.

Um 2500 v. Chr. hieß das Schriftzeichen für »Mahlzeit«, wörtlich übersetzt, »Brot-Bier«. Viel mehr hatten die einfachen Leute ja auch nicht, um davon zu leben. Noch etwas Trockenfisch und Zwiebeln - das war alles.

Soldaten, Offiziere und Beamte wurden hauptsächlich in Brot und Bier bezahlt. Auch die Königin. Die bekam täglich zwei Krüge Bier und zehn Brote. Wenn ein Pharao - ein ägyptischer König - heiratete, so mußte er seiner Frau im Ehevertrag diese zwei Krüge zusichern. Einer Prinzessin standen ebenfalls zehn Brote zu, aber nur ein Krug Bier; einem Offizier hingegen 20 Brote und zwei Krüge. Auch die Sklaven, die am Pyramidenbau beschäftigt waren, wurden nicht vergessen. Ihnen gab man - ebenso wie den übrigen Arbeitern und Angestellten - drei bis vier Brote und zwei Krüge Bier. Ein Grieche notierte: »Wenn sie diesen Gerstenwein zu sich nehmen, sind sie lustig, singen und tanzen.«

Wer starb, bekam Bier ins Grab. Wir wissen das, weil Krüge mit eingetrockneten Resten von Bier haufenweise in ägyptischen Gräbern gefunden wurden. Da das Bier im Grab nicht lange gereicht hätte, wurde auf Grabdenkmälern den Göttern nahegelegt, die Toten doch bitteschön alsbald an den Bier-Opfern teilhaben zu lassen, die allenthalben dargebracht wurden.

Die Bierbrauerei war auch bei den Ägyptern Staatsmonopol. Hier entstand die erste Brauindustrie großen Stils, die bereits strengen lebensmittelrechtlichen Bestimmungen unterworfen war. Die berühmteste Bierbrauerstadt hieß Pelusium. Sie lag an der Bucht, die heute »Khalij at Tinah« heißt - bei der Mündung des Suez-Kanals.

Jedermann bekam seine täglichen Krüge lange Zeit umsonst. Das änderte sich erst, als im letzten vorchristlichen Jahrhundert die mazedonischen Ptolemäer (zu denen beispielsweise Kleopatra gehörte) Ägypten beherrschten. Die verkauften das Bier zwar auch nicht, sie verteilten es weiterhin unentgeltlich. Sie machten es viel raffinierter und erhoben die erste Getränkesteuer der Welt. Ihre Erklärung: Man wolle mit den Abgaben die allgemeine Trunksucht einschränken. In Wirklichkeit brauchten sie das Geld, weil sie auch noch schnell ein paar Pyramiden bauen wollten, wie das unter den Herrschern Ägyptens üblich war.

>> So brauten die Ägypter Bier



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