Durst wird durch Bier erst schön

DER GESUNDE DURST

Sogar schwangeren Frauen empfiehlt sich Bier, weil es den bei Schwangeren auftretenden Vitaminmangel ausgleichen kann. GESUNDER DURST

Vor allem das Lactoflavin tut dem Wachstum und der Entwicklung des Embryos gut. Der Münchner Professor Wilhelm Stepp meint, daß auch stillende Mütter täglich einen halben Liter Bier zu sich nehmen sollten. Die darin enthaltene Nikotinsäure und das Lactoflavin decken den Bedarf für das Baby an diesen wichtigen Vitaminen ab. Und der Alkohol in einem halben Liter Bier schade nicht.

Insgesamt ist allerdings wichtig, daß beim Bier - wie bei allen natürlichen Produkten - nicht allein die statistische Aufreihung der enthaltenen Wirkstoffe bewertet wird. Man darf die Stoffe, aus denen sich Bier zusammensetzt, nicht getrennt voneinander betrachten. Wie bei allen Naturprodukten ist es auch hier die ausgewogene Zusammensetzung, auf die es ankommt.

So muß man auch die große Reihe der im Bier enthaltenen Metalle und Mineralien sehen. Eisen und Kupfer sind für die Blutbildung wichtig, das Zink für die Produktion des Insulins in der Bauchspeicheldrüse. Natrium und Kalium, Kalzium und Magnesium, vor allem aber die Phosphorsäure brauchen wir für den Zwischenstoffwechsel. Londoner Zahnärzte haben im Bier Fluor entdeckt, das für die Zähne gut ist.

Viele dieser Wirkstoffe sind nur in winzigen Spuren im Bier vorhanden; doch das genügt. So ist es beispielsweise beim Biotin, dem Vitamin H, das eine zerstörte Darmflora wieder aufbaut und außerdem als Muntermacher wirkt; das ist einer der Gründe, warum ein Glas Pils so belebend wirken kann. Andere - wissenschaftlich noch nicht genau erfaßte - Bestandteile des Biers senken, indem sie auf die Hormonproduktion der Nebennieren einwirken, den Blut-Hochdruck. Die Hopfenextrakte Lupulon und Humulon lassen sich im fertigen Bier nur in Spuren nachweisen. Aber sie sind sehr wirksam. Man weiß, daß sie entspannen, und nimmt deshalb an, daß sie es sind, die dem Bier seine beruhigenden Eigenschaften geben. Allerdings ist Bier kein Schlummermittel, wie Aristoteles annahm. Aber es kann den Streß lösen, der oft die Müdigkeit überdeckt. So führt es zu heilsamem Schlaf.

Auch in der Sportmedizin wird Bier mehr und mehr eingesetzt. Der Pariser Professor Gulpin hatte schon vor Jahrzehnten festgestellt, daß Bier die Lungenventilation steigert und dadurch die Aufnahme von Sauerstoff beschleunigt. Nun kommt neuer Rat von dem Bonner Urologen Dr. H. P. Bastian. Er empfiehlt Bier nach sportlichen Dauerleistungen - beispielsweise nach Langlauf oder Skilanglauf - zum Flüssigkeitsausgleich. Und die beiden italienischen Sportmediziner Dr. Feruccio Antonelli und Dr. Sergio Romano haben einen Monat lang 20 Schwerathleten unter Bier gesetzt. Der Erfolg: schnellere Reaktionen, mehr Ausdauer und bessere Konzentration.

Nach alledem ist es nicht verwunderlich, daß amerikanische Ärzte den Joggern - also Leuten, die sich durch Langlauf fit halten - Bier als Aufbau- und Ausgleichsgetränk empfehlen.

Bei Nierenerkrankungen - besonders bei Nierensteinen - wird Bier schon seit Jahrhunderten verordnet. Es enthält praktisch kein Kochsalz. Dadurch hilft es, Salz aus dem menschlichen Gewebe auszuscheiden. Außerdem bewirkt es eine besonders gute Durchblutung der Nieren und fördert die Harnausscheidung. Das ist's, was schon in der »Epistel« von 1641 so gelobt wurde.

Im Rheinland haben die Ärzte ihren Patienten seit undenklichen Zeiten Altbier als wassertreibendes Mittel verschrieben. Das hat allerdings nichts mit der obergärigen Brauart zu tun, sondern hängt nur mit dem hohen Hopfengehalt zusammen. Ein Pils bewirkt das gleiche. Besonders interessant sind die Ergebnisse, die drei Ärzte aus Japan und den USA vorweisen können. Es handelt sich um Dr. Katsuhiko Yano, George G. Rhoads und Abraham Kagan. Im »New England Journal of Medicine« berichten sie, wie sie neun Jahre lang auf der Insel Oahu über 7000 Japaner beobachtet, deren Lebensgewohnheiten studiert und sie regelmäßig untersucht haben. Es ging ihnen darum, welche Inselbewohner Herzinfarkte bekamen. Ihr fast sensationelles Ergebnis: Unter den Biertrinkern war die Zahl der Herztoten erstaunlich gering.

Die Untersuchung bestätigt eine alte medizinische Erfahrung: Bier ist ein natürliches Anti-Streß-Mittel. Dazu trägt einerseits der hohe Anteil an Bitterstoffen im Bier bei, andererseits aber auch der Alkohol. In der geringen Menge, die das Bier bietet, nützt er bei nervösen Menschen mehr als er schadet.

Internist Professor Stepp faßt die medizinischen Qualitäten des Biers zusammen:

»Wenn man sich vor Augen hält, daß bei der Bierbereitung der Grundstoff, die Gerste, eine hochwertige Getreidefrucht, die in früheren Zeiten als Brot das wichtigste Nahrungsmittel war, zum Keimen gebracht, zum Leben erweckt wird, daß das auf dem Weg über Maische und Stammwürze erhaltene Produkt dann mit dem Leben der Hefezellen in engste Berührung kommt - so möchte man allein von dieser biologischen Betrachtung aus zu der Vorstellung kommen, daß das Bier Träger von wertvollen Nährstoffen aller Art sein müsse.

Die Fortschritte der Wissenschaft haben den Nachweis gebracht, daß das Bier ein wertvoller Diätfaktor ist, dem eine einzigartige Stellung unter den alkoholischen Genußmitteln zuzuerkennen ist; sicherlich sind es die Keimung der Gerste und die Gärung der Würze, die dem Bier Stoffe zugeführt haben, denen es seinen besonderen Rang verdankt.«

Wirt bei der Brotzeit - P.J. Horemans (1700 bis 1766)

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