Durst wird durch Bier erst schön

EINE BRAUEREI UM 1770


Das 18. Jahrhundert war technisch ungemein aufgeschlossen. Kein Wunder, dass auch die Brauereien wahre Wunderwerke waren.

Im Jahre 1745 hatte der Pariser Hofdrucker André Francois Le Breton eine großartige Idee. Er wollte eine Enzyklopädie herausgeben, ein Universal-Lexikon von Kunst und Wissenschaft. Daraus entstand nach mancherlei Fehlschlägen schließlich "Diderots Enzyklopädie", ein gigantisches Werk, das großen Einfluss auf das europäische Geistesleben im 18. Jahrhundert hatte.

Herausgeber war Denis Diderot, ein ungemein dynamischer Schriftsteller und Philosoph. Das riesige Werk umfasste schließlich 17 Textbände und elf mit Abbildungen. Statt der vorgesehenen zwei Jahre brauchte man zweiundzwanzig dazu. Die Stiche, die wir auf den folgenden Seiten aus Diderots Enzyklopädie abdrucken, erschienen in einem Illustrationsband im Jahre 1772.

Untenstehende Tafel führt den Aufbau einer technischen raffinierten Mälzerei vor.

Mälzerei

Fig. 1: Der Schütt- Trichter, in den von oben das Grünmalz geworfen wird.
Fig. 2 und 3: Längsschnitte durch den Darr-Ofen. Der hatte ein giebelförmiges, spitzes Dach, das in den Schütt-Trichter hineinragte. Der Rauch zum Darren trat an der Unterkante dieses Giebeldaches aus. Das gedarrte Malz rutschte links und rechts seitlich an diesem Giebeldach herunter, dann konnte von oben neues Grünmalz nachgeworfen werden.

Fig. 4 und 5: Querschnitte durch den Darr-Ofen.
Fig. 6: Das System, nach dem das Herausfallen des fertigen Malzes funktionierte. Es rutschte auf den dachförmigen schrägen Kanten des Ofens zu den Brettern, die links und rechts angebracht waren (sie sind hier mit A bezeichnet). Die Reibungsträgheit der Malzkörner war groß genug, dass sie nicht von selbst in dickem Strom herausgeprasselt kamen. Erst wenn der Mälzer die Bretter links und rechts freigemacht hatte, rutschte neues Malz nach. So hatte er es in der Hand, die Dauer des Mälzens zu kontrollieren. Wenn unten fleißig geheizt und oben immer neues Grünmalz nachgeworfen wurde, konnte solch eine Darr-Anlage tagelang ununterbrochen arbeiten.

Die nächste Tafel zeigt Kornkammer und Keimkasten einer Brauerei. Das war zu jener Zeit oft ein und dasselbe.

Kornkammer und Keimkasten

Die letzte Tafel demonstriert, wie das Malz geschrotet wurde.

Vier Pferde in der “Manegeg“ wie die Franzosen das nannten, setzen ein ganzes System von hölzernen Zahnrad-Getrieben in Bewegung. Die Arbeitskraft der Pferde wird vielfach genutzt. Nicht nur zum Betreiben der beiden Schrotwerke, sondern offenbar auch noch für andere Geräte. Zum mindesten aber für Lastenaufzüge, wie Sie beim Blick durchs Fenster oben rechts erkennen können.

Manegeg

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