Durst wird durch Bier erst schön

EISKALT IN DER BADEWANNE

Hier geht es, unter anderem, um Temperaturen. Zum Beispiel, wie Sie Bier kühl halten. Und mit kühlem Bier eine Party aufheizen.

Bier

Ein geschickter Gastwirt kann auch einem minderwertigen Bier zumindest für die ersten paar Minuten zu schönem Schaum im Glas verhelfen. Für ihn ist das keine Kunst, denn er arbeitet ja mit zusätzlicher Kohlensäure. Die ist bei Zapfanlagen in Gaststätten nötig, um das Bier aus dem Keller über das Hahnensystem ins Glas zu befördern. An sich sollte das Ventil so eingestellt sein, dass dem Bier nicht mehr Kohlensäure zugeführt wird, als seinem eigenen Kohlensäure-Gehalt entspricht. Aber - nun ja.

Sie als Privatmann haben (wenn Sie nicht gerade über eine perfekte Bierbar verfügen) kaum die Möglichkeit, künstlichen Schaum zu produzieren. Denn Sie schenken ohne zusätzlichen Druck aus Flaschen oder einem Fässchen ein. Allerdings könnte es sein, dass Ihnen auch dann der Schaum und vielleicht auch das Aroma - des Bieres nicht gefällt. Weil Sie es vorher falsch behandelt haben.

Mit dem Bier ist es so ähnlich wie mit einem Menschen: Sie müssen gut zu ihm sein, damit es zeigt, was in ihm steckt. Es braucht zwar keine besondere Pflege. Da ist es recht anspruchslos. Aber es will, zum Beispiel, gut gelagert werden.

"Lagern" heißt bei Flaschenbier stehen, nicht liegen! hört man oft von sogenannten Fachleuten. Und man fragt sich, warum wohl. Gewiss, im Gegensatz zum Wein braucht das Bier keinen Korken zu befeuchten. Aber sonst? Die Wissenschaft kennt keinen Grund dafür, dass Bierflaschen stehen müssen. Früher, als es Flaschen mit Schnappverschluss gab, bei denen In Gummiring den Porzellankorken abdichtete - da war es ganz klug, das Bier nicht mit dem Gummi in Kontakt zu bringen. Aber heute? Die Hersteller von Kronenkorken würden sich schön dagegen verwehren, dass ihre Verschlüsse dem Bier etwas anhaben könnten. Legen Sie Ihre Flaschen ruhig hin. Es tut dem Bier nicht weh.

Die meisten Fehler werden beim Flaschenbier dann gemacht, wenn es um die Lagertemperatur geht. Man spricht von "kühlem Bier". Kühl soll es ja auch sein - aber nicht eiskalt.

Die richtige Trinktemperatur für Flaschenbier liegt zwischen sieben und neun Grad. Solche Temperaturen herrschen üblicherweise im Kühlschrank. Manche Leute aber stellen ihren Kühlschrank, um das Bier möglichst frisch zu halten, auf die höchstmögliche Stufe. Oder packen die Flaschen gleich ins Tiefkühlfach.

Beides bringt nichts; im Gegenteil. Bier ist eine Flüssigkeit, die auf Temperatur-Unterschiede empfindlich reagiert. Ist es zu kalt, so schäumt es nicht mehr. Außerdem wird es trüb. Das hängt damit zusammen, dass sich kleine Bestandteile des Biers bei Kälte aus der Flüssigkeit lösen und als winzige feste Körperchen herumschweben.

Das ist nicht weiter schlimm, solange es sich um Temperaturen über dem Gefrierpunkt handelt. Eingetrübte Bierflaschen können Sie im Zimmer allmählich erwärmen, bis der "Kälteschleier", wie Fachleute das nennen, verschwindet und das Gebräu wieder klar ist.

Schlimmeres geschieht, wenn Sie Bier ins Tiefkühlfach legen und auf Temperaturen unter minus zwei Grad bringen. Dann friert das Bier ein und das Aroma kann sterben.

Ganz schlimm wird es, wenn Sie zu kaltes oder gar gefrorenes Bier unter einem Strahl heißen Wassers auftauen wollen. Bierflaschen haben in dieser Situation die Angewohnheit, zu explodieren. Glasscherben, die mit dem Tempo von Geschossen in Menschen oder Möbelstücke dringen, hinterlassen unschöne Eindrücke.

Zu kalt sollte Bier also nicht sein. Aber auch nicht zu warm. Temperaturen über neun Grad machen die Kohlensäure heftig. Ein Teil von ihr entweicht dann beim Einschenken, der andere Teil entwickelt ungemein viel Schaum. Der verspricht mehr, als er hält; er fällt schnell zusammen und das Bier schmeckt schal.

Sie werden also zu warme Flaschen tunlichst vorher kühlen. Aber bitte nun auch wieder nicht, indem Sie sie für zehn Minuten ins Tiefkühlfach schieben! Auch wenn das Bier dadurch insgesamt nicht zu kalt wird: Zu schnelle Temperatursprünge mag es nicht. Da reagiert es unfreundlich und verliert das Aroma.

Ein paar Stunden vor dem Trinken in den normal eingestellten Kühlschrank - das bringt die richtige Temperatur und ein angenehmes Bier.

Was aber tun Sie, wenn Sie eine große Gesellschaft erwarten, die mit Flaschenbier traktiert sein will? Ihr Kühlschrank ist dafür zu klein. Sind Sie gezwungen, das Bier warm anzubieten?

Durchaus nicht. Einige Schüsseln (aus Plastik) gefüllt mit Wasser in der Tiefkühltruhe ergeben bestes Eis. Das legen Sie in die Badewanne, die Spüle oder eine anderes passendes Behältnis und packen Ihr Bier drauf. Nicht zuviel auf einmal! So, wie es getrunken wird, legen Sie frische Flaschen nach. Und haben Sie keine Sorge, dass hier die null Grad (oder noch weniger), die das Eis hat, Ihr Bier verderben könnten! Die umgebende Luft sorgt für Wärmeausgleich.

Übrigens ist es durchaus nicht snobistisch, Bier bei einer Party im Sektkübel zu servieren. Erstens sieht das besser aus, als wenn Sie Bierflaschen nur so auf den Tisch stellen. Und zweitens hält das Eis im Sektkühler das Bier auf der richtigen Trinktemperatur.

Haben wir schon gesagt, dass Flaschenbier nicht älter werden sollte als sechs Wochen? Es wird zwar nicht schlecht. Aber es schmeckt dann auch nicht mehr so gut. Weil Sie davon ausgeben müssen, dass die Bierflaschen schon einige Wochen beim Händler stehen, sollten Sie Ihren Vorrat jede Woche ergänzen und keine Flasche älter als 14 Tage werden lassen.

Und haben wir erwähnt, dass Bier in dunklen Räumen gelagert werden muss? Ob diese Räume die ideale Kühltemperatur von sieben bis neun Grad haben, ist nicht so wichtig. Sie dürfen wärmer sein. Denn Sie können das Bier vor dem Trinken ja einige Stunden in den Kühlschrank legen. Aber der Raum muss dunkel sein. Licht tötet das Aroma. Das ist der einzige Grund, warum Bierflaschen braun oder grün gefärbt sind. (Wobei sich die braune Färbung immer mehr durchsetzt, weil sich gezeigt hat, dass grünes Glas eben doch noch den blauen Teil und einen Teil des grünen Lichtspektrums durchlässt. Das bekommt dem Bier nicht.)

Aber glauben Sie bitte nicht, dass die braune (oder grüne) Färbung der Flasche genügend Licht absorbiert! Dazu müsste das Glas schon kohlschwarz sein. Dosenbier - ja, das ist durch die Blechbüchse lichtgeschützt. Aber Flaschen sollten Sie dunkel aufbewahren.

Sie haben keinen kühlen dunklen Keller? Macht nichts. Dann packen Sie das Bier in den Küchenschrank. Auch dort steht es dunkel. Oder Sie decken die Kiste mit einem Tuch zu; das genügt.

Manche Familien sind so tüchtig im Biertrinken, dass sie sich immer wieder ein Fässchen kaufen, weil ihnen Fassbier besonders gut schmeckt. Ein Zehn-Liter-Fässchen fürs Wochenende, dazu Verwandte, die zu Besuch kommen - das geht auf. Sonst aber sind Bierfässchen für den Familienbetrieb ein wenig problematisch. Denn sie sollten innerhalb von zwei Tagen leergetrunken sein. Sonst schmeckt das Bier nicht mehr.

AnzapfenAnders ist es natürlich, wenn Sie eine Bierparty geben, zu Hause oder im Garten. Da ist Bier aus dem Faß viel praktischer als Flaschenbier. Sie müssen allerdings vorausschauend einkaufen. Üblicherweise rechnet man bei einer Party, die vier Stunden dauert, zwei Liter Bier pro Kopf. Wenn Sie 20 Gäste erwarten, sollten Sie dennoch kein Faß mit 40 Litern nehmen. Denn ein angestochenes Faß muss spätestens am nächsten Tag leergetrunken sein. Sonst können Sie aus dem Bier gerade noch Suppe machen.

Kaufen Sie lieber zwei Fässer: eins für 30 und eins für zehn Liter! Dazu nochmals zehn Liter in Flaschen - als Reserve. Wenn Ihre Gäste weniger durstig sind als Sie dachten, genügt das 30-Liter-Fass.

Mit dem Bierlieferanten sollten Sie ausmachen, dass die Fässchen, gut gekühlt, zwei Stunden vor Beginn der Party da sind. Dann hat das Bier noch Zeit, ein wenig auszuruhen. Und nicht genügend Zeit, um warm zu werden.

Wenn in einer heißen Nacht Gefahr besteht, dass Ihre Fässchen nicht kühl bleiben, sollten Sie rechtzeitig für Eis sorgen. Bei stehenden Fässchen packen Sie das obendrauf, nicht darunter.

Das größte Problem bei eher Bierparty haben wir schon im vorangegangenen Kapitel erörtert: die Sauberkeit der Gläser. Es hat wenig Sinn, den Gästen Maßkrüge anzubieten. Die meisten werden mit derart viel Flüssigkeit nicht so schnell fertig, wie es der Qualität des Bieres entsprechen müsste Herumstehendes Bier wird ja nicht besser. Also ist es zweckmäßiger, Gläser zu nehmen, die einen Fünftelliter fassen - 0,2-Liter-Gläser. Die sind schnell ausgetrunken.

Das bedeutet aber, dass ein großer Teil Ihrer Gäste alsbald Nachschub verlangt. Und da sollten Sie nun bitte nicht in den Fehler verfallen, der so oft gemacht wird: Sie sollten nicht im gleichen Glas nachschenken. Warum nicht, haben wir Ihnen schon gesagt: weil sich am Rand des Glases Fettspuren niederlassen. Das ist gar nicht zu vermeiden, denn man isst ja nebenher etwas Wurst, Schweinesteak, Brathähnchen. Und die Damen haben, wie wir schon andeuteten, ihre Lippenstifte. Die Fettspuren am Glasrand töten den Schaum und machen aus dem Bier, das Sie ausschenken, eine gelbe Brühe.

Es bleibt also nichts übrig, als rechtzeitig genügend Gläser einzukaufen und jemand damit zu beschäftigen, diese Gläser immer wieder gründlich zu spülen. Erst heiß mit Spülmittel, dann gründlich und lange kalt. Für eine Bierparty lohnt es sich sogar, in einem Brauerei-Bedarfs-Geschäft oder beim Gastronomen-Großhandel ein Spezial-Spülmittel für Biergläser zu kaufen. Es ist nicht teuer, liefert saubere Gläser und erspart Ihnen, mit heißem Wasser zu spülen. Die Brauerei, bei der Sie das oder die Füßchen gekauft haben, sagt Ihnen, wo Sie das Spülmittel bekommen.

>> Die Radlermaß



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